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Letztes Update: 08.02.2004
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LAST SAMURAI -
Über den geschichtlichen Hintergrund und die Belanglosigkeit des Films


Im Laufe des Bürgerkrieges des 11. Jahrhunderts haben sich die als Verwalter für den Hofadel auf dessen Provinzgütern tätigen Krieger (Samurai) weitgehende selbständige Recht angemaßt. Mit dem Machtzuwachs der Familie Minamoto nach ihrem Sieg über die Taira stellen sich zahlreiche Mitglieder dieser neuen Kriegerschicht unter den Schutz der Sieger. Dadurch entstand ein kompliziertes System der Abhängigkeit, von Lehen und Afterlehen, dessen innerer Aufbau zugleich durch die weitgehende Unabhängigkeit des Kriegeradels in den Nord- und Ostmarken von der Zentralregierung in den Kernprovinzen gekennzeichnet war. 1192 wurde erstmals der Titel „Shogun“ (siehe gleichnamige Fernsehserie) verliehen. In einer von vielen Feldzügen gelang es Yoritomo, die Macht der Familie Fujiwara zu brechen. Später entsteht das Prinzip der dreifachen Stellvertretung: ein Regent aus dem Hause Hojo übt die Macht für einen Schatten-Shogun aus der Familie Fujiware oder dem Kaiserhaus aus, der selbst als Stellvertreter des Kaisers gilt. Der Kaiser als Nachkomme der obersten Schinto-Gottheit ist über die Ausübung der weltlichen Macht erhaben und greift nicht in die Staatsgeschäfte ein.

Ab 1318 verschärfen sich diese Spannungen mit dem Restaurationsversuch des Kaisers Go-Daigo, der die Vorherrschaft der Schogunatsregierung nicht anerkennen will. 1338 lehnt sich unter der Kemmnu Restauration Takauji Ashikaga gegen Do-Daigo auf, setzt ihn ab und lässt sich selbst vom Kaiser Komyo zum Schogun ernennen. Da Do-Daigo das nicht anerkennt, kommt es zur Spaltung zwischen der Nord- und der Süddynastie, die erst nach mehr als 60 Jahren in einer Kompromissformel aufgehoben wird.

Ordnet man die Samurai hier ein, stellt man fest, dass sie ja historisch nichts anderes waren, als eine Ritterkaste im Feudalsystem Japans. Den Ursprung verdanken sie eigentlich nur der damaligen isolierten Insellage des Landes und der Unterteilung japanischer Inseln durch Gebirgsketten. Die Anführer dieser Talschaften Japans schworen den jeweiligen Kaisern die Treue bis in den Tod. Im 7. Jahrhundert n. Chr. errichtete der Fürst Fujiwara Kamatari nach dem Vorbild der chinesischen Tang-Dynastie eine Zentralregierung. Dadurch beherrschte praktisch ein Familienverband das Land. In einem nicht besonders klugen Zugeständnis an den unter staatlicher Schirmherrschaft eingeführten Buddhismus hatte man die Klöster von der Pflicht einer Steuerzahlung befreit. Auf diesen Wohlstand gestützt (ganz pragmatisch betrachtet, stand so der Buddhismus in der ideologischen und staatlichen Abhängigkeit der jeweiligen Zentralregierungen!), beherrschten zwei Familien (siehe oben) den Kaiserhof. Erst im späten 19. Jahrhundert fiel die Macht in Japan an den Hof zurück.

Die Shogune stritten sich immer um die Vorherrschaft im Land. Ihre Gefolgsleute, die Samurai, waren nicht anderes als wilde Kriege, sicher erfahren und auch niemals Raubritter, wie wir sie später im Mittelalter finden. Einen Beweis ihrer Fähigkeiten lieferten sie mit dem Sieg über die Mongolen (1274). Der von mir kritisierte Film, hatte weder die historischen Gegebenheiten hinterfragt, und auch an keiner Stelle versucht, die Samurai mit ihrer erzreaktionären Ideologie hier einzuordnen. Es geht also um den geschichtlichen Hintergrund, und um die Einordnung dieser Kultur und natürlich auch um die Stellung der Samurai zum Buddhismus. Diesen hatten sie in der Zeit der Zen-Ausprägung übernommen. Und er ist nichts anderes als eine meditative und poetische Einstellung zum Universum, die mit einem materialistischen Blick nun gar nichts zu tun hat.

Die Schwertkunst wurde vom Buddhismus übernommen. Und auch hier findet sich die Kritik wieder: töte, aber mit Überlegung, mit Verstand! Bei ihren Treueschwüren gegenüber dem Kaiser legten sie auch auf die Zeremonien großen Wert. Das ging so weit, dass man sich nach altem Ritual den Bauch aufschlitze, während zur gleichen Zeit der Henker den Kopf abtrennte. Mit Verlaub gesagt: diese Schwerträger kann niemand mehr für voll nehmen. Es gibt eine Szene in "The Last Samurai", wo diese grausame Szene dargestellt ist. Das ist so schrecklich wie jeder gefilmte Alptraum.

Die Samurai gehören einer alten Kultur an, die geschichtlich überwunden sein sollte. Die Offensive dieser Schwertträger allerdings auch. Leider spiegelt sich in Filmen wie "The Last Samurai" einmal mehr der falsche Umgang mit dieser Kultur wider. Als Film ist er eine Katastrophe, als geschichtlicher Hintergrund mehr als fragwürdig, und Tom CRUISE überlebt die Moderne leider nur vom Sattel aus, und wird dafür noch mit dem Hofknicks der ganzen Kaiserarmee bedient. Die Samurai-Kultur gipfelte nur in der gemeinsamen Überzeugung nach Werten, Mythen, Tabus, Forderungen, Gebräuchen und Überlieferungen. Ein Ballast, den der Film mit sich rumschleppte. Er ist konservativ aus diesen grundsätzlichen Erwägungen heraus.

von Dietmar Kesten,
Gelsenkirchen, 07. Februar 2003.

 
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