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Letztes Update: 05.08.2004
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Becritical.de Kolumnen

... ...dass Action an Realität verloren hat.

Bei einem kleinen Gedankengang zum aktuellen Film muss ich hier mal einen generellen Trend in Filmen ansprechen, der mich nicht nur nervt, sondern auch viele alte Filme im Nachhinein zerstört: Unrealistische Actionszenen.

Action lässt sich generell in drei Bereiche einteilen: Nahkampf (mit Fäusten, Füßen, Schwertern, Stöcken, Metallrohren, Leitern etc.), Schusswechsel (mit Pistolen, Gewehren, Automatikwaffen, Raketenwerfern etc.) und Fahrzeugkampf (Verfolgungsjagden, Luftkämpfe, Weltraumschlachten). Alle drei Bereiche haben sich innerhalb der letzten drei Jahrzehnte immer weiter von der Realität entfernt. Hier die Abhandlungen:

Nahkampf war immer eine beliebte Form der Gewalt in Filmen. Sei es ein Faustkampf zwischen zwei Männern in einer Bar oder Arena oder eine Schlacht von epischen Ausmaßen. Der erste Schritt von der Realität weg war simpel: Wer viele Muskeln hat hält mehr aus. Mag sein, dass man, wenn man seine Bauchmuskeln anspannt, einen Schlag in die Magengrube ganz gut aushalten kann aber ein Schlag ins Gesicht bricht nunmal die Nase. Auch wenn man Hulk Hogan oder Arnold Schwarzenegger ist. Und dann blutet man. Und man sieht nichts mehr vor Tränen. In viel zu vielen Filmen überleben Leute unglaubliche Prügel, nur um kurze Zeit später wieder aufzustehen und weiterzumachen. Das verlängert zwar jede Kampfszene aber realistisch...? Und: Wenn jemand durch eine Glasscheibe geworfen wird, dann zerbröselt die nicht in viele kleine Stücke wie Autoglas. Das ist Sicherheitsglas. Richtiges Glas splittert in großen Scherben und spießt einen im Zweifelsfall auf. Nun gut. Es geht ja noch schlimmer: Leute beschweren sich über die "unsamuraihaften" Kämpfe in dem Meisterwerk "Sieben Samurai" aus den Fünfzigern. Warum tun sie das? Weil die Action dort realistisch ist und das Publikum spätestens seit "Tiger & Dragon" bei fernöstlicher Kampfkunst erwartet, dass Leute fliegen können, Kugeln auffangen und ein Samurai Pfeile aus der Luft schlägt und vier Meter hoch springen kann (am besten noch in voller Rüstung). Leute, das geht nicht. Jackie Chan benutzt Seile. Das sind Tricks. Wirklich.

Schusswechsel. Wo soll man da anfangen? Das einzig Unrealistische an Schusswechseln war früher die (für Filme inzwischen typische) unglaubliche Munitionskapazität von Automatikwaffen aller Art. Wer ein wenig Ahnung von der Materie hat weiß, dass man nicht zehn Sekunden lang durchgehend mit einer Uzi feuern kann oder gar wie Snake in "Escape from Manhatten" eine Tür in die Wand feuern kann. Nun gut. Auch die Tatsache, dass (gerade in antikommunistischen 80er-Jahre Actionfilmen) Bösewichte STÄNDIG danebenschießen ist verachtenswert. Ein Dutzend ausgebildeter Soldaten mit Sturmgewehren wird jemanden, der dreißig Meter von ihnen entfernt ist, in Stücke schießen. Wirklich. Das Gilt auch für Sturmtruppler. Oder Nazis. Oder Kommunisten. Oder Guerillas. Nun, auch das lässt sich ja noch steigern: Seit Matrix können Helden Kugeln ausweichen. Nun, in Matrix gab es dazu eine einigermaßen schlüssige Erklärung. Aber in Charlie's Angels? Nicht wirklich. Abgesehen davon, dass seit einiger Zeit zudem jeder, der eine Pistole trägt, auch eine zweite braucht (Rückstoß gibt es ja nicht...), kann man sich gerade bei Schusswechseln die Frage stellen, auf die diese ganze Ausarbeitung hinausläuft. Aber dazu später.

Zu den Fahrzeugkämpfen. Weltraumschlachten sind natürlich schwer auf Realitätsgehalt zu prüfen und bieten den Special Effects-Leuten dadurch jede Menge Raum zum Austoben. Dennoch: Während heutige Luftkämpfe mit Waffen ausgeführt werden, die mehrere dutzend Kilometer Reichweite haben, kämpfen selbst riesige Raumschlachtschiffe immer auf Sichtweite. Während heute computergesteuerte Automatikkanonen Raketen aus der Luft feuern können, schaffen es die Imperialen Geschütze nicht, Luke Skywalkers X-Wing abzuschießen. Achja: Man sieht Laserstrahlen nicht fliegen. Wirklich nicht. Verfolgungsjagden auf der Erde, meist mit Autos, lassen sich hingegen mehr analysieren. Wenn ein Auto beispielsweise über einen Abgrund/ eine Baustelle/ eine hochgefahrene Klappbrücke springt, dann fährt es nicht weiter. Die Achsen brechen und im Zweifelsfall der Rahmen auch. Das Auto fällt dann auseinander. Weiteres zur Zerstörbarkeit normaler Fahrzeuge: Mit einem Dutzend Einschusslöcher in der Motorhaube werden garantiert mehr oder weniger wichtige Leitungen im Motor beschädigt. Mhm. Wenn jemand mit einer Schrotflinte von hinten durch die Scheibe eines Wagens schießt, WIRD der Fahrer was abkriegen. Mindestens Glassplitter. Und: Autos explodieren nicht sofort nach jedem Crash. Schon gar nicht in einem riesigen Feuerball. Sie brennen vielleicht. Das aber auch eher rauchig...

Action in Filmen wird derzeit immer absurder. Klar, man muss ja auch das, was vorherige Helden konnten, toppen. Dabei müsste man den Zuschauern nur mal klarmachen, dass einer gegen drei ein verdammt großes Risiko ist, anstatt die Heorität eines Helden beweisen zu müssen, indem man ihn gegen eine ganze Armee übermächtiger Gegner schickt, die er dann surrealerweise Massakrieren kann. Film sollte wieder realistischer werden. Zumindest, wenn er außerhalb des Fantasy-Genres ist. Menschen überleben keine Messerstiche in den Bauch und ein Tritt ins Gesicht kann töten. Autos sind nicht konzipiert um zu springen. Ich kritisiere nicht dramaturgische Überspitzung an sich aber ich kritisiere, wie die Sache aus dem Ruder gelaufen ist zu einem Punkt, an dem man im Film schon mindestens Matrixähnliche Fähigkeiten haben muss, um überhaupt als Held durchzugehen. Leute, wacht auf. Wenn ein einzelner sich mit einem SEK/SWAT/Soldatentrupp anlegt, wird er sterben. Wenn er selber Elitekämpfer ist, nimmt er vielleicht noch wen mit. Vielleicht. Egal, ob er ein Held ist, oder nicht. Filmemacher, schickt Euren Helden, wenn ihr sie profilieren wollt, realistische Gegner, die sie wirklich schaffen KÖNNTEN. Und wenn Helden schon übermenschliche Dinge tun, sollte es dazu zumindest eine Erklärung geben (Es ist die Matrix/ der Held ist genmanipuliert/ Superheld/ Roboter etc.). Das ist alles.

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von Marten Zabel
 
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