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Letztes Update: 07.03.2004
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THE MATRIX UND THE ONE - WAS IST REALITÄT?

Keanu REEVES lacht nicht. In "The Matrix" (1) gibt es auch nichts zu lachen. Matrix ist ein Paralleluniversum, und die Bewohner dieses Planeten leben darin und ahnen nicht, dass der Boden, auf dem sie stehen, unter totaler computergenerierter Kontrolle steht. Hinter der Schiebewand brennt der Himmel: The World Is My Oyster!
Die Geschichte ist eine düstere Zukunftsvision, und darum darf nach mehr als 2 Stunden Kino die Frage gestellt werden, ob es nicht in der Zukunft zu einem reinen Videospiel mutiert, das sich in einem kybernetischen Raum befindet, weil in diesem der Tod des Gehirns im Cyberspace zugleich den des realen Körpers einschließt? Die Geschichte zu erzählen ist möglich, aber nicht unbedingt sinnvoll: ziehen wir die Schlussfolgerung, "dass der Mensch eine Maschine ist und dass es im ganzen Universum nur eine einzige Substanz in unterschiedlicher Gestalt gibt", behauptete der französische Philosoph LE METTRIE einmal. Die Gleichung, wonach Tier und Mensch "aufrecht kriechende Maschinen" sind, die sich selbst aufziehen, ist gar nicht so abwegig, wenn daran gedacht wird, dass die moderne Gesellschaft auf alles Anschläge verübt, was uns einst lieb und teuer war: Geist, Seele, Moralität, Glück, Freiheit. Und in der Zwischenzeit muss der Freigeist eingestehen, dass dafür nur noch pietätloser Spott übrigbleibt: Der Spaß hört auf!!
Neo ist auserwählt, die apokalyptische Mission zur Rettung der Welt zum Ende zu bringen. Diese hängt nur noch an den Energiequellen der Großcomputer, und die Menschen werden für die herrschenden Maschinen gezüchtet. Die Bande der Gesellschaft ist für immer zerstört. Man könnte auch sagen: es herrscht eine Computer-Maschinenanthropologie, die in der Gleichung aufgeht: Mensch=Maschine=Geist. Es gibt zunächst die Umwelt, in der Menschen in der Matrix leben, doch von Minute zu Minute wird immer unklarer, was Realität und was nur Schein ist. Das macht die Sache nicht einfach oder übersichtlich. Doch darin stecken hochinteressante Aspekte der modernen Philosophie, die alten Fragen von den Dingen, den Ereignissen in der Umwelt, von der Signale ausgehen bis sie schließlich die menschlichen Sinnesorgane erreichen und dort von spezifischen Sinneszellen registriert werden. Was wäre, wenn das Leben ein einziger Traum wäre, was, wenn wir nur Gestalten im Traum eines anderen wären, was, wenn Furcht, Sehnsucht und Angst nur in einer anderen Welt Realität sein würde, was, wenn Traumwelten, Science-Fiction in Cyber-Zeiten und Parallelwelten nur ein Blendwerk wäre? Was wäre, wenn künstliche Intelligenz keine Hirngespinste wären, sondern einen elektrochemischen Impuls setzen, der auf das Gehirn übertragen, dort weiterverarbeitet wird, bis er uns in Bewegung setzt?
Neo wird von diesen neuronalen Netzen gesteuert, fortwährend (geistig) verändert, bis sich sein Gehirn in ein komplexes Aktivitätsmuster verwandelt und beginnt, auf Bewegungs- und Verhaltensorgane Einfluss zu nehmen. Für dem äußeren Beobachter ist die ersichtliche Wandlung eines Menschen zum virtuellen Einzelkämpfer vielleicht mit der Einsicht verbunden, dass die vielfältigen Mechanismen, mit der die Moderne Sprechanreize eingerichtet, Abhör-, und Aufzeichnungsanlagen, Verfahren zum Beobachten, Verhören, Aussprechen und Ausspionieren extrahiert hat, anordnete und institutionalisierte. Damit hat sie eine ungeheure Beredsamkeit eingefordert und organisiert, in relativ kurzer Zeit eine derartige Menge von Ängsten gezüchtet und auch für die komplexe Ausbreitung ihres Verbindungsnetzes gesorgt. Sollte sich im Film darin schon ein Stück gesellschaftliche Realität verstecken? Ist sie dort nur eine Scheinfiktion, die mit dem Schlucken einer Pille Wahrheiten oder Unwissenheiten hervorbringt?

Maschinenmodelle lassen sich teilweise künstlich nachbauen, sie lassen sich an Großrechner anschließen. Gehirne werden in der Zukunft mit Computern simuliert werden. Es ist also keineswegs übertrieben, die Roboter als unsere kommenden 'nächsten Verwandten' zu bezeichnen. Da hat der Film vieles von dem vorweggenommen, was sich im Modell einer evtl. 'Dekade der Hirnforschung' niederschlagen könnte. Denn die emphatisch ausgerufene Bilanz, die es zu ziehen gilt, muss ernüchternd ausfallen: was lässt sich erklären, lässt sich das Bewusstsein erklären, die monadischen Charaktere, ein bewusstes Erlebnis? Und sind es nur naturwissenschaftliche Fragen, die sich hier widerspiegeln? Neurobiologen, Hirnforscher, Informatiker, Kognitowissenschaftler, Vertreter vieler anderer Disziplinen, liefern täglich plausible Hypothesen, Ansätze, Lösungsversuche. Doch alles erstarrt in der Nabelschau und ist deswegen ungemein irritierend. Der Philosoph DESCARTES meinte noch, dass wir es sind, "die da denken". Doch im Zeitalter der künstlichen Intelligenz ist das alles nicht mehr sicher. Der Mensch handelt nämlich unbewusst, und er nimmt seine Umwelt mehr und mehr unbewusster wahr.

In "The Matrix" braucht man sich andere Welten nicht mehr zu erträumen, auch wenn sie sehr trügerisch sind. Fantasievoll ausgestattet, errechnet inmitten von Spezial-Effekten, normativen Bildern und Visionen, halluzinierten Welten, in denen mühelos zwischen Geist und Körper kommuniziert werden kann, greift er mit der Behauptung an, dass die Welt eine Bühne ist und die völlig verwirrten Kandidaten mit eingefärbten Dialekten ihren Traum von der ‚Einheit der Welt' vorführen. Wie sehr sich unser gesamtes Begriffsvermögen durch Technologien beeinflussen lässt, zeigt der Film beklemmend. Wir brauchen uns nur noch einzuloggen. Schon sitzen wir in den Schaltzentralen der Welt, umgeben von freundlichen Beschützern und unfreundlichen Wegbegleitern, die sich nicht unbedingt auf Würmer oder trojanische Pferde spezialisiert haben.

Karl KOCH in "23" (2) spielte bereits ausgiebig mit der Computerwelt, mit der Datenvernetzung, mit der virtuellen Realität, die für ihn tödlich endete. Neo ist ihm einen echten Schritt voraus: ein High-Tech-Traum beginnt. Spätestens dann, wenn er in einem anderen 'Ich' ist, beginnt das aberwitzige Spiel: Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken durchrasen seinen Körper seelisch-geistige Zustände in einem neurokybernetischen Modell! Oder kommen seelisch-geistige Zustände gar nicht vor, weil alle vom Traum besessen sind, was LE METTRIE als Quintessenz der Wissenschaft vom Menschen glaubte zu wissen?
Wenn 'Seele' und 'Geist' des Menschen nur Hirngespinste sind, oder nur Namen dafür, dann werden andere Erklärungen für menschliches Verhalten notwendig sein. In "The Matrix" jedenfalls werden Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken und Wünsche mit denjenigen 'intelligenten Maschinen' identifiziert, die omnipräsent sind, und während die Menschen um ihre Energie kämpfen, ist er selber zu einer Energiemaschine geworden. Abhängig von Computerprogrammen. Kann man sich seiner selbst sicher sein, der Phänomene, des Selbstbewusstseins; besteht unser Handeln nur noch im physiologisch-physikalischen-biochemischen Bereitschaftspotential, das mit dem Ausführen einer Handlung gleichzusetzen ist, zu dem eine Person den Entschluss fasst, die schwarze oder die grüne Taste zu drücken?
Alles erscheint künstlich errechenbar zu sein, das GÖDEL-ESCHER-BACH Prinzip um es paradox zu formulieren: die Handlungsentscheidungen sind längst gefallen, und wenn eine bewusste Intention ausgebildet erscheint, ist sie in diesem Augenblick keine Realität mehr. Wir haben uns verloren im Datenraum, der Cursor zeigt uns den Weg, Mails bringen uns ans Ende der Welt, wir empfangen, obwohl wir wissen, dass das, was sich über Bits und Bytes als Energiemenge einen Weg bahnt, uns schon 200 Millisekunden voraus ist. Kausale Grundlagen für Handlungsentscheidungen wird es wohl immer weniger geben: Der Mensch im Netz! Und alle folgen den Computerprogrammen. Das ist so steril, dass die Matrix wieder manipulierbar erscheint. Und die irrealen Rebellen hacken munter darauf los. Sie sind Hacker, die mit ihren Gehirnen das tun, was die modernen Würmer im Internet anrichten. Die Experimentatoren der Software-Agenten haben inmitten einer virtuellen Realität einen irrealen Platz, umgeben sich mit einem elektrophysiologischen Gehirn, mit dem sie Ereignisse in ihrer Schein-Umwelt beeinflussen können und stimulieren diese mit übermenschlichen, sogar übernatürlichen Geschwindigkeiten. Das ist schon wieder so irrational, dass der Begriff der 'Vernunft' dauernd vor den Augen verschwindet. Wenn eine schöne Lederlady zu Karatekämpfen ansetzt, im Kung-Fu-Stechschritt reihenweise 'Kopfagenten' ausschaltet, nahezu mühelos die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft setzt, sich im Wirbel der Zeitströme mit Gewehrkugeln herumschlägt, dann ist der Plan die Handlung, die Handlung die Ausführung. Menschliche gegen künstliche Intelligenz: der Tod des selbstbestimmten handelnden Menschen ist im Cyberspace mit dem Ende des realen Körpers vorprogrammiert. Gespräche lassen sich nicht mehr durch Argumente beeinflussen: die künstliche Welt geht eben am Gehirn vorbei und schafft sich ein Gehirn in der Matrix. Erinnern ist Erkennen: wenn Erinnern keine Vergessenskatastrophe bleiben soll, dann ist es ein Fehlschluss, die 'Krone der Schöpfung' als technisch beliebig manipulierbar darzustellen. Doch das erscheint nur als ästhetisierende Theorie. Der Computer ist die Belohnung für den neuzeitlichen Menschen, der mit ihm zwischen Fernsehen und Buchkultur stehend seine endgültigen Gitterstäbe gewählt hat.

Hirnforscher und Neurobiologen, das computerisierte Technopol haben die Realität längst verändert, abgebildet, verfilmt, und immer wieder ein bisschen mehr normalisiert. Weil das Gehirn wohl diesen permanenten Stimulus benötigt, um eine Maschine zu werden, Sprache zu verstehen, zu produzieren und mit anderen in den kommunikativen Austausch zu treten, ist der Wachzustand ein Traumzustand, das In-Sich-Versunkene, der Schlaf, aus dem es kein Erwachen mehr gibt. Atemberaubend ist es allemal: der Wahrheit sind mehr als enge Grenzen gesetzt. Ständig klingeln Telefone, Zahlen stürzen in sich zusammen, Scheinwelten werden aufgetan, eine schier endlose Reise durch Raum und Zeit lässt Verfolger in Häuserschluchten stürzen. Die Kamera fängt bedrohliche Bilder ein. Neurotechnisch zugerichtete Labormonster erreichen den Träumenden, der die ironische Erlösungsgeschichte zerhackt bis alle Welt glaubt, dass jeder neurokybernetische Vorwurf der Verhaltensmodelle ins Leere abdriftet. Weit gefehlt: das 'Licht der Vernunft' bleibt die computerisierte Welt, die Apokalypse, die in die Moderne eingebunden und terminologisch synthetisiert ist. 'Erleuchtet' ist zum Schluss niemand. In Bezug auf die Metaphern, mit der der Film umgeht (Weltfluchten, (Schein-)Realitäten, Bilder, Mythen, Geschichten, Figuren und Handlungsstränge), ist alles surreal. Neo sagt einmal: "Es ist alles nicht so real." In sympathischer Weise ist das trotzdem konsequent gedacht: der Mensch bleibt eine Maschine! Nur, von wem er erleuchtet wird, dürfte bis ans Ende der Welt unklar bleiben.

"The Matrix" setzt alles aufs Spiel, womit wir gelernt haben, umzugehen: Komik, Mimik, Gestik, Gewalt, Zerstörung, Rausch, Liebe, Zugehörigkeit, Romantik, Poesie. Ein komplettes Gedächtnis und Vergessensdrama bahnt sich an. "Denn alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht", lässt GOETHE MEPHISTOPHELES sagen. "The Matrix" hat diese monumentalische Geschichtsbetrachtung bestens verstanden, es hat sie frei Haus geliefert, die großen Computergestalten, die vernetzten Ereignisse, die dunklen Grundierungen vom Tod der Megamaschine Mensch. LA METTRIE meinte, vom Menschen als eine Art "erleuchtete Maschine" reden zu müssen. Sollten wir uns von dieser Gleichung MENSCH=MASCHINE=GEIST provoziert fühlen? Weg mit allem Vergangenen! Es gibt keine Wahrnehmung mehr, keine Wahrnehmung der Realität. Sie findet sich wieder in den tiefsten Schichten des Menschheitsgedächtnisses. Wir folgen dem digitalen Code, Kinobilder zielen darauf ab, Weltflucht und Realität zu vermengen. Alles wird zum Bildschirm, der beliebig zu (ver-)ändern ist. Das kausale Netz hat keinen Platz mehr in unserem Modell. Alles erscheint aufgehoben und untergeschoben, ehrenrührige und unverzeihliche Vergesslichkeit bricht sich Bahn, hemdsärmelig und pragmatisch. Das Leben ist ein Videospiel, ein Rausch, eine Orgie von Gewalt und Zerstörung: das Ende!! Sollten sich alle tiefsten philosophischen Fragen mit der Matrix erledigt haben?
Offenbar fällt der neuzeitlichen Philosophie zur Frage des exklusiven Bewusstseins nicht mehr viel ein. Vielleicht hat sich der Film deswegen auf diese Frage gestürzt? Es gibt keine Bewusstseinswissenschaft. Alles nur Multimediaproduktionen? Wenn ein Raunen und Rauschen aus weiter Ferne an das Hörorgan der Zuschauer dringt, liegt ein Schleier der Abwesenheit auf die Tagträumer. Untote bekommen Schauspielerpreise verliehen, die Träumerei liegt auf den Wiesen der Kindheit begraben. Das Röhrensystem, durch das der Schaltplan des Weltrechners in die Tiefe stürzt, wird wie im Sturm genommen, taucht an anderer Stelle in neuen Scheinwelten wieder auf. "The Matrix" nimmt einen wie ein Orkan gefangen. Und wenn die Fußgängerzone der Scheinwelt betreten wird, steht ein Terminator vor einem. Runderneuert, bizarre Beklemmungen hervorrufend. Kunst, Kultur, Realität und Fiktion entstanden in den Gehirnen von Software-Designern? Egal, darum geht es nicht, es geht auch nicht um Gummi, Glatzen, Sonnenbrillen und Lack-Leibchen. Es geht schlicht um eine virtuelle Realität, um die Zukunft des autistischen Wahnsinns, dass jemand ein Loch ins Glasfenster schießt und gleichsam wieder metaphorisch-formalistisch zukleistert. Es geht um das wahre Unglück in einer falschen Welt.

"The One" (3) knüpft eigentümlich an "The Matrix" an. Und obwohl dieser Film keineswegs an ihn heranreicht, so lebt er doch von diesen Paralleluniversen und Doppelgängern, die allesamt schon in "The Matrix" zu sehen waren. Das macht einen Vergleich erst recht interessant. In "Einsteins Traum. Expeditionen an die Grenzen der Raumzeit" (1993), "Eine kurze Geschichte der Zeit" (1998) und "Raum und Zeit" (1998), ging der Kosmologe und Astrophysiker Stephen HAWKING davon aus, dass es rückläufige Verbindungen im Raum-Zeit-Kontinuum gibt - sogenannte Wurmlöcher. Die Gesetze der Physik sind demnach zeitsymmetrisch. ‚Schwarze Löcher' z.B., in die Dinge hineinfallen und aus denen nichts entkommen kann, würden sich mit ‚Weißen Löchern', aus denen diese Dinge wieder entweichen, verbinden, und so könnte man theoretisch eine Verbindung herstellen. Würde ein Mensch durch solche Wurmlöcher in der Zeit rückwärts reisen (nach Albert EINSTEIN ist dieser Raum vierdimensional, die er als sog. Raumzeit bezeichnet hatte), käme er allerdings nicht in seiner eigenen Vergangenheit an, sondern in jener eines Paralleluniversums, wo er dann auf seinen imaginären Doppelgänger treffen würde, quasi einer Inkarnation seiner selbst. "The One" nimmt diese Theorie auf und knüpft damit an zahlreiche Sci-Fi-Thriller an. Energie im Universum verschwindet nie, behauptete EINSTEIN, sie wechselt nur in eine andere Form. Und so befördert sich Jet Li, der den Bösewicht Yulaw verkörpert, selbst ins Jenseits, und führt dort als ‚Kopie' ein anderes Leben. Ständig ist Jet Li auf der Flucht, vor den Reihen der polizeilichen Übermacht, vor den Agenten Roedecker (Delroy LINDO) und Funsch (Jason STATHAM), den Spezialisten des MBI, die die Energieströme der Wurmlöcher manipulieren, durch die Yulaw zu entkommen versucht. So endet seine ‚Zeitreise' inmitten eines MBI-Gebäudes. 123 Menschen hat er in 123 Paralleluniversen auf dem Gewissen (inklusive aller Doppelgänger), und hat durch diese Morde die gesamte Lebensenergie aus allen Universen in sich vereinigt. Das ist spannend gemacht. Und dieser Quantensprung hat es in sich. Die Highspeed-Aufnahmen sind beeindruckend, die Videosequenzen sehr sehenswert und die computerisierten ‚Wurmlöcher' mit dem Zerfließen alles Zeitlichen und Menschlichen sehr mitreißend. Wenn Yulaw sich einfach auflöst, auf seltsame Art und Weise in kleinen Stücken entschwindet, dann staunt man einfach über die gelungenen Schnitte.

Wie in "The Matrix, so brennt auch hier hinter der Schiebewand der Himmel. Und die Energiequellen, die in den Paralleluniversen die eigene und andere Welten als Traumwelt oder als Realität erscheinen lassen, passen sich dem heutigen Blendwerk der Science Fiction im Film an. Überhaupt ist diese in "The One" zu einer einzigartigen Energiemaschine geworden. Sie lebt nur noch von Spezialeffekten. Wenn er auch manipulierte Energiemengen in einem aberwitzigen Spiel dazu benutzt, sich in halluzinierte Welten emporzuschwingen, in denen mühelos ‚Geist und Körper' verschwinden und sich wieder vereinigen, so werden die guten Ansätze durch durch plumpe Actioneinlagen in das Gegenteil verkehrt. Alle Charaktere bleiben platt und steril. Die Spannung, die "The One" durch die Vorgaben der modernen Kosmologie zu Anfang erzeugen kann, hält er nicht durch, und verkümmert letztlich zu einer martialischen Schlacht zwischen Yulaw und seinem Doppelgänger.

Wer "The Matrix" gesehen hat, dem kann man "The One" nicht empfehlen. Natürlich versucht auch Jet Li permanent die Schwerkraft außer Kraft zu setzen und er entgeht so mühelos Gewehrsalven und fängt die Irrationalität durch Karateschläge ab. Doch er kommt an "The Matrix" nicht heran, und verkümmert in einer Blase, in der Plan, Handlung und Ausführung in einem Aufguss ohne Differenzierungen abgehandelt wird. "The One" ist dort beeindruckend, wo er Paralleluniversen und Multiuniversen in einem Handlungsstrang versucht zu verbinden, und sich mit der Frage der Raum-Zeit und den Theorien über sie zu beschäftigen. Nach dem Kinogang ist niemand erleuchtet. Der Film hinterlässt viele Bilder, Mythen, philosophische Ungereimtheiten, Weltfluchten, Geschichten, Figuren und Schein-(Realitäten). "The Matrix" entwarf eine Vision von virtuellen und computerisierten Welten, in deren Mitte die Megamaschine Mensch steht und ihn in ein komplexes Aktivitätsmuster als überzeitliche Energiemaschine darstellte. Bei "The One" hatte ich eher den Eindruck, als ob sich seine Inkarnation nur in einer reinen Weltenspringerei, die mit hübschen Karateeinlagen garniert ist, auflöst.

von Dietmar Kesten,
Gelsenkirchen, März 2004.

Anmerkungen:

(1) "The Matrix": Regie: Andy und Larry Wachowski (1999). Darsteller: Keanu Reeves, Lawrence Fishburne, Hugo Weaving, Carrie-Ann Moss.

(2) "23": Regie: Hans-Christian Schmid (1999). Darsteller: August Diehl, Fabian Busch, Dieter Landuris.

(3) "The One": Regie: James Wong (2002). Darsteller: Jet Li, Carla Gugino, Delroy Lindo, Jason Statham, James Morrison, Dylan Bruno.

 
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